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Zum Schüleraustausch in Frankreich: Emil-Petri-Schüler sammeln Auslandserfahrung

Eine Sprache zu lernen, funktioniert am besten im direkten Austausch. Deshalb fand in diesem Schuljahr, vermittelt vom Kultusministerium, ein bilaterales Kennenlernen statt: Vor Ostern durften wir vier Schülerinnen und Schüler aus Frankreich bei uns begrüßen. Vier Wochen lang nahmen sie am Unterricht in der Emil-Petri-Schule teil und erlebten mit ihren Gastfamilien Land und Leute.

Nach den Osterferien stand der Gegenbesuch an: Silvia, Finjas, Emil und Emil reisten für vier Wochen in die Auvergne. Was sie dort erlebt haben, steht hier:

Hallo, ich bin Silvia, 15 Jahre alt und gehe in die Klasse 9a. Vom 20. April bis 15. Mai war ich in Frankreich für einen Austausch. Vor den Ferien war meine Austauschschülerin Camille schon für vier Wochen bei mir in Deutschland.

Während meines Austauschs in Frankreich konnte ich viele Unterschiede kennenlernen. Vor allem der Schultag dort unterscheidet sich sehr von unserem. Zum ersten sind alle Schultage (außer Mittwoch) viel länger als bei uns, meistens ungefähr bis 16:00 Uhr oder 17:00 Uhr. Dafür haben die Schüler dort eine Mittagspause, die mindestens eineinhalb Stunden lang ist. Und wenn man Ausfall hat, kommt man zu Permanence, einer Art beaufsichtigter Freiarbeit, um seine Hausaufgaben zu machen. Mittwochs (da hat man in Frankreich schon mittags Schluss) machten wir oft Ausflüge auf die vielen Berge der Umgebung, z.B. Le Mountain de Sancy oder Le Puy de Dôme. Mir meiner Gastfamilie fuhren wir ein Wochenende auch ans Mittelmeer (Port Leucate). Am schönsten fand ich aber die Apéros, die kleinen Feiern oder Treffen mit den Nachbarn. Dort gab es dann Souvissons (Rossettenwürste) und typisch auvergnischen Käse, wie den St. Nectaire.

Die vier Wochen waren eine wunderschöne Erfahrung. Ich hatte eine wunderbare Gastfamilie, und ich kann diesen Austausch nur empfehlen.

Silvia

Hallo, ich bin Emil, 14 Jahre alt und besuche die 9. Klasse der Emil-Petri-Schule. Ich habe am Austausch teilgenommen, da dieser für mich die perfekte Gelegenheit bot, Frankreich und die französische Kultur aus erster Hand zu erleben und gleichzeitig auch meine Französischkentnisse anzuwenden und zu verbessern. 

Als ich in Frankreich ankam, wurde ich herzlich von der Familie meines Austauschülers empfangen. Wir wohnten am Rand eines kleinen Dorfes, das etwas außerhalb von Clermont-Ferrand, einer der größten Städte der Region Auvergne-Rhône-Alpes liegt. In der Umgebung gab es viele Hügel mit schöner Aussicht und auch einem Wald, der sich perfekt zum Laufen gehen eignete. Schon mehrmals habe ich abends mit meinem Austauschüler noch einen kleinen Ausflug unternommen. Allgemein bewegte ich mich auch viel mehr, da wir täglich mit dem Fahrrad zur Schule fuhren.

An einem normalem Schulalltag begann die Schule um 8:30. Vor dem Mittag hatten wir drei Stunden Schule. Nach der eineinhalbstündigen Mittagspause, in der wir zu Hause aßen, hatten wir noch vier Stunden Schule und waren dann um 7 Uhr fertig. Auch wenn das viel später ist als in Deutschland, habe ich den Unterschied kaum gespürt. Die einzige Ausnahme war Mittwoch, wo der Unterricht schon mit der Mittagspause endete. Das war immer die perfekte Gelegenheit, um nochmal einen Ausflug zu unternehmen. Im Gesamten betrachtet, war die Schule recht ähnlich wie in Deutschland, bis auf zwei große Unterschiede. Zum einem war der Unterricht in manchen Fächern sehr viel selbstständiger. Es wurden Infos und Aufgaben ausgeteilt, die dann alleine bearbeitet werden sollten. Zum anderen war der gesamte Alltag viel kontrollierter. Vor dem Betreten des Schulgeländes mussten die Schüler sich auweisen, in den Pausen überwachten Aufseher alles und Freistunden wurden durch Permanence ersetzt, wo die Schüler unter Aufsicht Aufgaben erledigten.

Insgesamt war meine Zeit in Frankreich einfach fantastisch. Ich wäre gerne noch länger geblieben, muss jetzt aber leider, wenn auch nicht ohne Souvenirs, nach Deutschland zurückkehren.

-Emil

Bei vielen haben unsere westlichen Nachbarn ja einen eher verklärten oder vorurteilsbehafteten Ruf. Ob man nun dort lebt wie Gott in Frankreich oder doch eher nur mit fragwürdigen kulinarischen Tendenzen in Bezug auf Frösche und Schnecken Bekanntschaft macht, bleibt dem, der dieses Land nie besucht, wohl auf ewig zu wissen verwehrt. Und obwohl mein Austausch nicht meine erste Reise nach Frankreich war, habe ich vorher vom wirklichen Leben der Franzosen nie etwas Tiefgreifendes mitbekommen. Trotzdem hatte dieses Land immer eine große Faszination auf mich ausgeübt und so kam mir das Angebot des Kultusministeriums, einen Austausch mit einem französischen Schüler zu organisieren, ziemlich gelegen.

Dieser fand in den vier Wochen nach den Osterferien, vom 20. April bis 15. Mai, statt. Gaspard, mein Austauschschüler, war bereits Mitte März bis Anfang April bei mir gewesen, sodass nicht alles neu für mich war. Er und seine Familie wohnen in der Auvergne, die Thüringen überraschend ähnlich ist, genauer gesagt in Nadailat, einem kleinen Dorf in der Nähe von Clermont-Ferrand, der größten Stadt der Auvergne.

Nadailat hat den unverkennbaren Charme eines kleinen französischen Bergdorfes, in dem es - außer ein paar wunderschönen, alten Steinhäusern, einem beeindruckenden Ausblick und einer Käserei - so gut wie nichts gibt. Gaspards Familie, seine Mutter Elise, sein Vater Vincent und sein kleiner Bruder Félix, waren unglaublich nett und zeigten mir die französiche Gastfreundschaft in allen Facetten. Sie wohnen in einem dieser alten und verwinkelten Steinhäuser, welches auch noch von einer mehr oder weniger freiwillig adoptierten Katze namens Câlinette, was "kleine Umarmung" bedeutet, zu ihrem Wohnsitz erklärt wurde.

Mein idyllisches Bergdorfdomizil auf Zeit habe ich aber nicht direkt nach meiner Ankunft in Frankreich bezogen, da ich vorher mit meinen Eltern und meiner kleinen Schwester eine Art „Miniurlaub“ gemacht hatte, um die Reise von dreizehn Stunden für vier Personen irgendwie zu rechtfertigen. Wir haben uns das klassische Tourismusprogramm der Auvergne angesehen, den Puy de Dôme - die Sehenswürdigkeit der Auvergne schlechthin -, Clermont-Ferrand und den Puy de Parriou, den Volvic Vulkan. Am Samstag vor Ferienende bin ich dann schließlich zu meiner Gastfamilie gezogen. Meine ganze Familie war noch zum Abendessen bei ihnen eingeladen und dann musste ich erst einmal für die nächsten vier Wochen mit etwas gemischten Gefühlen von ihnen Abschied nehmen. 

Die Auvergne ist landschaftlich außergewöhnlich schön und unglaublich vielfältig. Das Dorf Nadailat ist faktisch in den Berghang gebaut. Es liegt fast 600 Meter höher als Clermont, das eigentlich schon mediterranes Klima hat. Doch oben im Berghang konnte es gerade frühmorgens ziemlich kalt werden.

Direkt an meinem ersten Schultag hatte ich die große Ehre, Bekanntschaft mit der Lebensrealität all der bemitleidenswerten Personen zu machen, die mit dem Bus zur Schule fahren müssen und einen Schulweg von mehr als 10 Minuten haben. Der atemberaubende Ausblick auf den Sonnenaufgang über dem Tal von Clermont-Ferrand hat das aber reichlich wett gemacht. Als ich dann schließlich nach einer 45-minütigen Busfahrt mit Gaspard an seiner Schule, dem Lycée de Jeanne d’Arc ankam, konnte ich mein Erstaunen wohl kaum verbergen. Zum einen hätte das unwissende Auge die Schule von außen eher für ein Schloss gehalten, zum anderen hatte dieses besagte Schloss Sicherheitsvorkehrungen, die jeden Gefängnisdirektor hätten vor Neid erblassen lassen, zumindest wenn man bedenkt, dass es sich um eine Schule handelt. Ohne entsprechende Sicherheitskarte kam man weder in die Schule hinein, noch aus der Schule heraus. Zusätzlich zu den hochsicherheitsrelevanten Zugangskontrollen gab es die CPEs, eine Mischung aus Erzieher und Sicherheitskraft der Schule. Gaspard besucht die 10. Klasse und wie ich erfahren habe, traut man ihm und den anderen Lycéens - den französischen Gymnasiasten - noch ein weitaus höheres Maß an Autonomie zu, als den Schülern der niedrigeren Schulen, weswegen wir uns immerhin frei auf dem Schulgelände bewegen durften.

Abgesehen davon, dass es an französischen Schulen keine Tablets gibt und die Unterrichtsstunden eine ganze Stunde dauern, unterscheiden sich der deutsche und französische Unterricht eigentlich kaum. Wo sich jedoch gewaltige Unterschiede zwischen den beiden Schulsystemen auftun, sind die Länge der Schultage und, so banal das auch sein mag, das Essen. Frankreich hat sich, im Gegensatz zu Deutschland, dem Konzept einer Ganztagsschule mit, zumindest in der Theorie, einem sehr hohen Bildungsanspruch verschrieben. Dies scheint sich jedoch, auch etwas zu meiner Genugtuung, aber eher nicht in der PISA-Studie zu manifestieren. In der Regel dauern deshalb Schultage in der Woche bis 18 Uhr. Dafür war aber am Mittwoch schon 12 Uhr Schulschluss. Die tägliche Mittagspause betrug großzügige zwei Stunden. Diese Zeit hätte man dann durchaus mit Mittagessen verbringen können. Allerdings ließ die Kantine, die nun einmal für die rund 1.000 Schüler - welche alle zur gleichen Zeit essen wollen - ausgelegt war (der dementsprechende Lautstärkepegel einer Großbaustelle), zumindest während der Rush Hour - und freundlichen CPEs - die einen, sobald sich die ersten Anzeichen von Leere auf dem eigenen Teller andeuteten mit höflicher Aufforderung und zur Not auch subtiler Gewaltandrohung (natürlich etwas übertrieben gesagt) hinaus geleiteten - eher wenig Raum für eine entspannte Pause. Hinzu kommt, dass das Essen, in aller Deutlichkeit gesagt, ziemlich schlecht war. Frankreich genießt ja eigentlich den Ruf einer der besten Küchen der Welt, aber in den Schulen scheint das noch nicht ganz angekommen zu sein. Womit man die Pause hingegen schon besser füllen konnte war ein Aufenthalt im schuleigenen Obstgarten oder im Foyer, das mit einer bestechend hohen Anzahl an Billardtischen überzeugen konnte (vielleicht ein kleiner Hinweis an den Förderverein meiner Schule :)). Des Weiteren ist in der Schule eigentlich fast nie etwas Spannendes passiert. Ich habe mich relativ schnell an die neue Tageslänge gewöhnt und so gut es ging am Unterricht teilgenommen. Da Gaspard in einer ABIBAC Klasse war, werden manche Fächer auf Deutsch unterrichtet. Hier fiel mir als Native Speaker so einiges „überraschend“ leicht. Man muss auch noch erwähnen, dass ich womöglich den besten Zeitpunkt für einen Austausch nach Frankreich erwischt hatte, da im Grunde fast alle Freitage irgendwelche Feiertage waren, was mir natürlich sehr gelegen kam.

Aber der wirklich schöne Teil meines Aufenthaltes war außerhalb der Schule mit Gaspard und seiner Familie. Unter der Woche blieb, verständlicherweise, kaum Zeit für Freizeitaktivitäten. Außer dienstags und mittwochs, wo ich mit Gaspard zum Orchester-, Querflöten- und Musiktheorieunterricht ging. Und das hat, trotz der Tatsache, dass ich in der ganzen Zeit, außer der meinen, keine weitere Geige gesehen habe, doch ziemlich viel Spaß gemacht. An den Wochenenden hingegen haben sich Gaspards Eltern und er selbst größte Mühe gegeben, mich zu bespaßen und mir die Gegend zu zeigen. Zu meinem Glück teilt Elise meine Liebe zum Backen und ich konnte von ihr das eine oder andere über die sagenhafte französische Backkunst lernen. Wir haben aber auch die Innenstadt von Clermont besichtigt, wo Gaspards Großeltern eine Wohnung mit sehr schöner Dachterrasse und noch schönerem Ausblick besitzen. Außerdem habe ich diverse kleinere Wanderungen durch die Chaîne de Puys gemacht, wir waren auf einem See - dem Lac d’Aydat - Boot fahren, haben uns das berühmte Festival du Court Métrage - ein internationales Kurzfilmfestival von Clermont Ferrand - angesehen und waren im Landhaus der Großeltern Gaspards zu Besuch. Das Landhaus hat zwar eher die Dimensionen eines Anwesens und wird von der gesamten Familie häufiger als Hotel benutzt, aber die Landschaft dort war atemberaubend schön.

An meinem letzten Tag in Nadailat haben wir noch das Theater einer außergewöhnlichen libanesischen Comedienne namens Jessy besucht, die - wie der Zufall es so wollte – die Nachbarin meiner Gastfamilie ist. Das war unbestreitbar das absolute Highlight meiner Reise, da ich, trotz meines doch eher begrenzten Vokabulars, alles verstehen konnte und mit einer angebrachten Prise Humor zur aktuellen politischen Situation der Welt, viel über die einzigartige französisch-libanesische Kultur und Küche lernte. Am Tag darauf fuhren wir dann in das Département Haute Loire, wo wir die anderen Großeltern Gaspards besuchten. Davor haben wir uns noch Le Puy-en-Velay, eine wunderschöne Stadt mit extrem vielen Kirchen angesehen. Die Unmenge dieser, sowie diverser Statuen der Jungfrau Maria und anderer Heiliger, ist jedoch durchaus gerechtfertigt, da die Stadt einer der Startpunkte für die Pilgerroute des Jakobsweges ist, der von der Stadt aus bis nach Galizien und der Grabstätte des Apostel Jakobus in der Catedral de Santiago de Compostella führt. Anschließend sind wir zu Gaspards Großeltern gefahren.

Wer jetzt denkt, dass Nadailat mit seinen 200 Einwohnern ein kleines Dorf ist, hat noch nicht Louspis, das Dorf, in dem Gaspards Großeltern wohnen, gesehen. Es hat nicht nur sage und schreibe zehn Einwohner, nein, man muss auch eine knappe halbe Stunde mit dem Auto über gewundene, schmale Straßen über ein Bergplatau fahren, um dort hinzugelangen. Die Großeltern waren sehr nett, voller französischer Gastfreundschaft und ihr Haus, eine renovierte Bauernscheune, war unglaublich schön. Mir blieb nur noch der eine Abend, um ihn noch einmal mit Gaspards Familie zu verbringen und ich musste mich schon von Félix verabschieden. 

Sehr früh am nächsten Morgen, machten wir uns dann auf den Weg zum Bahnhof von Lyon, von wo aus mein Zug zurück nach Hause fuhr. Ich musste mich schweren Herzens von Vincent, Elise und Gaspard, die mich noch bis zum Bahnhof gebracht hatten, verabschieden und machte ich auf dem Rückweg. 

Alles in allem war der Austausch eine sehr gute Erfahrung. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, mein Französisch ziemlich verbessert, auch wenn sich mein Vokabular vor allem um französische Schimpfwörter sowie Jugendslang erweitert hatte, und noch so viel mehr erlebt, als ich jetzt in diesem Bericht schildern kann. Ich würde so einen Austausch jedem empfehlen, der einfach mal seinen Horizont erweitern und viele neue Dinge erleben möchte, der viel mehr sehen will, als es eine Urlaubsreise auch nur ansatzweise zulässt.

Finjas