Navigation

Konzertreise in Chile: Emil-Bläserchor berichtet von Musik, Begegnungen und großen Erlebnissen

16 Tage lang waren neun Mitglieder des Emil-Bläserchors in den Osterferien auf Musikreise in Chile. Nun berichteten sie im Dorfgemeinschaftssaal von Angelroda von ihrem Abenteuer: von Konzertauftritten, Fahrten im Nachtbus, Wanderungen, von überwältigender Landschaft, zahlreichen Schulbesuchen, viel Gastfreundschaft und großer Wertschätzung – und von der alles verbindenden Kraft der Musik.

Nach 36 Stunden Reisezeit mit Zwischenstopps in Istanbul und São Paulo erreichte die Reisegruppe der Emil-Petri-Schule am Ostersonntag Santiago de Chile. Nach dem Besuch des Ostergottesdienstes stand zunächst Erholung auf dem Programm. Doch schon am Ostermontag wartete der erste Höhepunkt der Reise. 

„Für uns war es eine große Auszeichnung, dass wir nach unserer Reise 2024 nun schon zum zweiten Mal ein Konzert in der Deutschen Botschaft in Santiago de Chile geben durften“, berichtete Musiklehrer Michael Pohle, der die Reise gemeinsam mit Erzieherin Ute Robst musikalisch leitete. Beide sind Pädagogen an der Emil-Petri-Schule. Organisiert wurde die Tour über das Projekt „Musikreise“, das nach einem Chile-Besuch des Angelrodaer Chores im Jahr 2017 entstanden war. Über die Jahre hat die chilenische Projektverantwortliche Veronica Tapia von Zerner bereits vier Musikreisen für für den Emil-Bläserchor organisiert. Zweimal waren chilenische Gruppen an der Emil-Petri-Schule zu Gast. 

Für die diesjährige Tour hatte Michael Pohle eine musikalische Europareise zusammengestellt. Nach Wochen intensiver Proben konnte der Chor, bestehend aus Schülern der sechsten bis elften Klasse, sein Programm an zahlreichen Orten des Landes präsentieren – und nun einen Ausschnitt davon auch noch einmal dem Publikum in Angelroda vorstellen.

Dort berichteten die Schülerinnen und Schüler von den insgesamt 22 deutschen Schulen in Chile, von denen sie sechs besuchten. Dazu gehörte die Albert-Schweitzer-Schule in Santiago, mit der die Emil-Petri-Schule inzwischen eine Partnerschaft pflegt. Auch die Deutschen Schulen in Frutillar, Valparaiso, Villarrica und Los Ángeles (Chile) hießen die Thüringer herzlich willkommen und luden zu gemeinsamen Konzerten ein. Die Ursulinenschule in Santiago kündigte nach dem Besuch der Reisegruppe sogar einen Gegenbesuch in Arnstadt für den kommenden Herbst an.

Zu den Schulbesuchen kamen Konzerte in der deutschstämmigen Community Chiles. Dort weckte der Emil-Bläserchor mit seiner Musik Erinnerungen an die alte Heimat der Vorfahren vieler Zuhörerinnen und Zuhörer. Ein besonderes Erlebnis für die Bläsergruppe war das gemeinsame Konzert mit der Musikschule Papageno bei Villarrica. Die Einrichtung ermöglicht in der Umgebung von Villarrica besonders auch Kindern aus ärmeren Familien den Zugang zu Musik.

Die Reisegruppe berichtete außerdem von den Schlafbussen, die sie über Tausende Kilometer durch das langgestreckte Land brachten, von Übernachtungen bei Gastfamilien und in Jugendherbergen, von Bootstouren mit Blick auf die Vulkane, von Handwerkermärkten und ihren Verlockungen. Vor allem aber blieb die große Wertschätzung in Erinnerung, die die jungen Musikerinnen und Musiker überall erfuhren. „Die Schule in Frutillar hatte sich auf uns vorbereitet und wusste erstaunlich gut über Arnstadt und Thüringen Bescheid“, so Michael Pohle. Sogar der deutsche Honorarkonsul in Puerto Montt, Tomas Bollinger, war als Ehrengast eigens zum Konzert in Frutillar angereist. Die Tage waren geprägt von guten Gesprächen und langen, gemeinsamen Abenden – oft auch über sprachliche Barrieren hinweg.

In Los Ángeles übergaben die Thüringer Liederbücher, die von Bärbel Kelter gespendet worden waren. Sie unterstützt zu Hause den Emil-Bläserchor immer wieder auch musikalisch. In Chile traf die Gruppe Musikerinnen und Musiker, knüpfte zahlreiche Kontakte zu Einheimischen, besuchte Museen und lernte die Kultur der Mapuche, der indigenen Bevölkerung Chiles, kennen. In Villarrica wurde zu Ehren der Gäste ein Schulfest veranstaltet. Dass jede Schule ihre eigene Uniform besitzt, war für die deutschen Schülerinnen und Schüler ungewohnt; ihr eigenes Tour-Outfit war jedoch ebenfalls einheitlich. Shirts und Hoodies mit dem markanten Elefanten hatte der Förderverein der Emil-Petri-Schule gesponsert.

Gern erinnern sich die Reisenden an die kulinarischen Erfahrungen im Land. Die Schülerinnen und Schüler berichten von Grillpartys mit viel Rind- und Hühnerfleisch, von dem guten Essen der Mapuche-Köchinnen, Suppen, Empanadas, Paella und den beliebten chilenischen Törtchen. Himbeertörtchen einer deutschen Bäckerei sind inzwischen ein Pflichtpunkt auf jeder Chile-Reise.

Die Reise fand auch in den Medien Beachtung. Die deutsch-chilenische Zeitung „Cóndor“ begleitete die Tour mit einem dreiseitigen Bericht. Für Holger Aumann, Schulleiter der Emil-Petri-Schule, sind die Konzerte des Emil-Bläserchors das gelungene Ergebnis eines schulischen Experiments: Als Musiklehrer Michael Pohle 2015 den Musikunterricht komplett umkrempeln wollte, war solch eine Entwicklung nicht abzusehen. „Damals beschlossen wir, dass an unserer Schule jedes Kind in der fünften Klasse ein Instrument lernt“, erinnert er sich. Dass sich die teure Anschaffung der benötigten Instrumente wirklich gelohnt hat, sei dem hohen Einsatz seiner engagierten Pädagogen zu verdanken. „Inzwischen wird unser Bläserchor nicht nur im Marienstift Arnstadt, sondern auch immer wieder in der Stadt angefragt.“

Die Musikreise nach Chile ist für die Kinder ein Highlight ihrer musikalischen Ausbildung „Sucht doch mal eine Schule, die etwas ähnliches anbietet“, sagt er. „Es ist eine große Verantwortung und erfordert hohen persönlichen Einsatz der Lehrkräfte, mit Schülern ans andere Ende der Welt zu reisen“, sagte Holger Aumann wertschätzend in Richtung seines Teams. Ein neues Projekt soll die Zusammenarbeit der Emil-Petri-Schule mit Chile weiter intensivieren: „Für 2027 beabsichtigen wir, einen Lehreraustausch zu starten“, so Holger Aumann. Die Details werden in den nächsten Monaten besprochen. 

Für die jungen Musikerinnen und Musiker zahlt sich der innovative Musikunterricht mit Erlebnissen fürs Leben aus: Die Reise bot nicht nur musikalische Höhepunkte, sondern auch unvergessliche Begegnungen. Sie zeigte einmal mehr, dass Musik Menschen verbindet – unabhängig von Sprache, Herkunft und Entfernung.